Neue Musik aus dem urbanen Afrika

Seit Jahren gibt es in der aktuellen afrikanischen Musikszene gross Umwälzungen. In Südafrika sind Haus, Hiphop oder Ragga schon lange kein Fremdwort mehr. Gekonnt verbinden KünstlerInnen neue, aktuelle Musik- und Sprechstile mit klassischen, traditionellen Musikformen.

Zwei schöne Beispiele von aktueller Musik sind aus dem Kongo zu hören. Baloji, ein in Belgien aufgewachsener Kongolese, lässt sich auf seinem soeben erschienen Album Kinshasa Succursale bildlich (auf dem Cover) wie musikalisch zum wahren Kongolesen taufen. Zusammen mit grossem kongolesischen MusikerInnen und Bands macht Baloji fantastische Musik. Zwischen Rap, Slam Poetry, Succus, Strassenmusik oder Rumba, sowie mit aktuellen Texten, wird ein tiefes Musikuniversum ausgebreitet. Dabei wurde auch der Klassiker Indépendance Cha-Cha von Grande Kalle neu eingespielt. Konono No. 1, Zaiko Langa Langa, Moise Ilunga, Royce Rumba oder Monik Tenday geben alles zu einer Musik zwischen einfachsten Instrumenten und Elektronik. Darüber rapt Baloji mit Leichtigkeit, Witz und Engagement zu aktuellen Zu- und Missständen des heutigen Kongo. So wird der erwähnte Unabhängigkeitssong Indépendance Cha-Cha zu einem kritischen Song umgemodelt. Die Vielfältigkeit von Kinshasa Succursale drückt aufs Beste die Vielfalt des riesigen Landes aus, zum Jetzt und Heute. Eine grosse neue Musikproduktion aus Afrika.

Nicht zu überhören ist DRC Music. Ein kollektives Projekt. Produziert und aufgenommen 2011 in Kinshasa. Kinshasa One Two bringt zusammen mit dem umtriebigen Musiker und Musikforscher Damon Albarn eine Reihe bekannter und unbekannter MusikerInnen, SängerInnen und PoetInnen zusammen. Zwischen Afro-House, Afro-Beat, Dub, Fingerklavier und manchmal knallharten Stimmen. Jedes Stück auf der Platte steht für sich. Hat seinen speziellen Hintergrund, den besonderen Groove und grosse Leichtigkeit. Diese aufwühlende und oft auch tanzbare Musik ist nicht einfach einzuordnen. Strasseninstrumente treffen auf modernste Elektronik und ergeben so einen anstössigen Sound zum heutigen Afrika.

Empfehlenswert dann auch noch BLNRB (Berlin/Nairobi). Mit Welcome To The Madhouse. Ein lohnendes Aufeinandertreffen von MusikerInnen aus Nairobi und aus Berlin. Eine frische Mischung mit neuen grossen Talenten aus der Metropole Kenyas. Zu hören sind spannende, aktuelle Musikstile. Darauf zu hören ist unter anderem die angesagte Hiphop-Queen Kenyas, die charismatische Nazizi. Feine afrikanische House-Musik.

Alle drei besprochenen Produktionen sind Beispiele von gelungener kollektiver Arbeit. Tatkräftig unterstützt von Kulturstiftungen und Kultursendungen. Musik welche sich lohnt mit offenen Ohren gehört zu werden.


Baloji. Kinshasa Succursale.
16 Tracks. Ca. 60 Min. Spielzeit. Auch auf Vinyl erhältlich. Crammed Discs

DRC Music. Kinshasa One Two.
14 Tracks. Ca. 50 Min. Spielzeit. WARP-Records/Oxfam

BLNRB. Welcome To The Madhouse.
Ca. 60 Min. Spielzeit. Out Here Records/WDR



www.crammed.be / www.baloji.com (Baloji)

www.warp.net/records/drc-music (DRC Music)

www.outhere.de (BLNRB)

Alles auch unter: www.musikvertrieb.ch



Pius Frey

Comedia Buchhandlung St.Gallen
www.comedia-sg.ch



Comedia St.Gallen / www.comedia-sg.ch / 02.01.2012




COMEDIA
Katharinengasse 20, Postfach 117
CH-9004 St.Gallen
Tel./Fax (+41) 071 245 80 08
medien@comedia-sg.ch
http://www.comedia-sg.ch