Neue Musik aus West-Afrika

Über zehn Jahre sind vergangen seit Sierra Leones Refugee Alls Stars von einem Filmteam während des schrecklichen Bürgerkrieges in einem Flüchtlingslager entdeckt wurden. Dort entstand dann auch ihr erstes, unter einfachen Bedingungen entstandenes Album. Mit ihrer eigenen Musikmischung thematisierte die Band von Anfang an Flüchtlingselend, Gewalt, Unterdrückung und Rassimus. Einer ihrer bekanntesten Songs Living Like A Refugee wurde buchstäblich unter dem Lichte von Öllampen im Flüchtlingslager Sembakounya in Guinea aufgenommen. Ein starker, reggaebeeinflusster, akustischer Song. Warm und eindringlich. Der Song ging um die Welt, und aus den Refugee All Stars wurde eine bekannte und aktive Band. Zurück in Sierra Leone taten sich die Leute mit der Gruppe The Emperors zusammen und verfeinerten ihr akustisches Material mit weiteren Instrumenten und moderner Studiotechnik. Bis heute fliessen traditionelle Stile mit Reggae und anderer Weltmusik zusammen. Das gibt eine feine Musik mit einem sehr guten, auch mehrstimmigen Gesang. Bandleader Reuben Koroma schafft mit seiner Truppe einen weltumspannenden, engagierten Sound, an dem einfach nicht vorbeigehört werden kann. Trotz all der zu verarbeitenden Schrecken dringt in den Songs oft ein feiner Humor durch.
Libation hatte seine Premiere an einer internationalen Menschenrechtskonferenz von Amnesty International in Chicago. Von dort ist nun die Band auf eine grosse Welttournee aufgebrochen.
Zu den älteren Platten ist vielleicht die westafrikanische Musik ein bisschen in den Hintergrund getreten und der betont afrikanische Roots Reggae mehr zu hören. Das tut aber Libation keinen Abbruch. Es ist eine vibrierende Platte, die verschiedenste Musikhörerinnen und –Hörer ansprechen wird. Weltweit!

 


Sia Tolno ist eine der raren Frauen, welche sich dem Afro-Beat verschrieben hat. Die 1975 in Guéckédou, einer Stadt in Guinea, nah an Liberia und Sierra Leone grenzend. So ging sie dann auch zum Studium nach Sierra Leone. Doch dann brach dieser wahnsinnige Bürgerkrieg aus. Schon früh war Sia Tolno musikbegeistert. Sie spielte in verschiedenen Bands. Meist sang sie Songs ihrer Vorbilder nach. Whitney Houston, Edith Piaf... Mit der Zeit kam Sia Tolno mit verschiedenen legendären westafrikanischen Musikern zusammen. Ihre erste Platte wurde dann auch vom Gitarristen Kanté Manfila produziert. Sia Tolno reiste viel herum. Sie bewahrte ihren rebellischen Geist und im Hintergrund wirkten immer noch die Erlebnisse aus dem Bürgerkrieg in Sierra Leone. In ihren Songs immer präsent sind ihre Ablehnung von Gewalt, brutalem Machtgebaren. Dazu kommt ihr starkes Engagement für die Frauen. Für die kämpferischen Songs von Sia Tolno ist kräftiger Afro-Beat gerade richtig. Durch ihr Zusammenkommen mit Tony Allen; früher Schlagzeuger und Texter bei Fela Kuti, heute trotz seines Alters ein umtriebiger Musiker, Sänger, Produzent und glücklicher Talententdecker; ist nun African Woman entstanden. Ein frisches kraftvolles Album. Allzeit begleitet vom einmaligen, federnden Schlagzeugspiel Tony Allen’s. Reinhören!





Sierra Leone’s Refugee All Stars: Libation.
12 Tracks.
Cumbancha
2014

Sia Tolno: African Woman.
12 Tracks.
Lusafrica
2014



Pius Frey

Comedia Buchhandlung St.Gallen
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Comedia St.Gallen / www.comedia-sg.ch / 30.06.2014




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