Reggae, Hip-Hop und Kizomba

Drei Musik- und Tanzstile welche im heutigen, und besonders im urbanen Afrika sehr populär sind. Reggae ist seit längerer Zeit von grosser Bedeutung und entsprechend, in seinen vielen Spielarten, weit verbreitet. Vom Norden bis in den Süden. Einer der heute wohl wichtigsten Interpreten ist Tiken Jah Fakoly. Wie der legendäre Alpha Blondy kommt Fakoly aus der Elfenbeinküste. Tiken Jah Fakoly pflegt einen klassischen Roots Reggae mit kraftvoller Band und eindringlichem Gesang. Seine neueste Platte Denier Appel wurde in Bamako und Paris aufgenommen. Darauf sind zehn abwechslungsreiche Stücke zu hören. Immer wieder mit Einflüssen westafrikanischer Musik. Inklusive tradtioneller Instrumente. Den engagierten Song Diaspora spielte Fakoly zusammen mit Alpha Blondy ein. Andere mit der afrikanisch-deutschen Sängerin Nneka und dem deutschen Reggae-Star Patrice. Praktisch bei jedem Song geht Tiken Jah Fakoly zur Sache. Prangert Missstände an, befasst sich mit der Situation in Afrika und mit der Thematik von Flucht und Emigration. Wunderbar die Cover-Version vom grandiosen Song War Ina Babylon des Sängers Max Romeo und des Produzenten Lee ‚Scratch’ Perry. Dernier Appel, wie auch die andern Platten von Tiken Jah Fakoly, hört man immer wieder gerne. Einfach gute Musik.

 

 


Auch der afroamerikanische Hip-Hop und Rap hat in Afrika längst Fuss gefasst. Musikalisch oft beeinflusst durch die grossen Vorbilder und trotzdem in einer eigenständigen Version. Textlich wühlt er tief in der afrikanischen Realität; gemischt mit den klassischen Rap-Themen vom Ausbruch aus der tristen Gegenwart, dem Traum vom grossen Erfolg, vom reich werden mit der Musik. Doch immer wieder kommen die alltäglichen Probleme zur Sprache. Gewalt wird thematisiert. Korruption und unfähige Politiker werden entlarvt. Dazu immer wieder Texte zu Geschichte, Zukunft, die Freuden des Lebens und die Bewältigung des Alltags. Die Hip-Hop Szene ist in den afrikanischen Städten gross. Kann man doch mit wenig Aufwand rappen. Ein wenig Sound aus der Dose oder einfach selbst gemachter Rhythmus. Zwei zur Zeit sehr aktive Rapper sind Octopizzo aus Kenia und Blitz the Ambassador aus Ghana. Octopizzo ist in Kibera aufgewachsen, dem grössten Slum Nairobis. Seine Texte, wie auch die musikalische Begleitung, überraschen angenehm. Auf seiner CD Chocolate City gibt er sich manchmal als eine Art Lehrer. Erklärt den Kids, was sie gegen die herrschende Misere unternehmen können. Verlangt Engagement. Ein frisches, ungeglätetes Album. Blitz the Ambassador aus Ghana überrascht mit seiner Frechheit und viel Bewegung. Er ist eine viel gehörte Stimme mit seinem eigenen Stil. Allgegenwärtig auch auf europäischen Festivals. Oft tritt Blitz mit einer mächtigen Band auf und hinterlässt ein begeistertes Publikum.

Kizomba ist keine Band, keine Sängerin und kein Sänger. Kizomba ist gegenwärtig der populärste Musik- und Tanzstil im lusophonen Afrika. Natürlich gibt es viele Kizomba-InterpretInnen. In Angola, Sao Tomé und Principe oder auf den Kap Verden. Auch Portugal wurde vom Kizomba-Fieber erfasst. Der Tanz gilt konservativen Kreisen als anzüglich. Meist sind auch die Covers der Kizomba-Produktionen mit Sex-Appeal verbunden. Was als Kizomba betrachtet wird ist sehr breit und nicht immer klar definierbar. So tauchen auch Remixes von Bonga, Cesaria Evora, Black Bazar, Sia Tolno oder Tito Paris auf Kizomba-Produktionen auf. Wichtig ist: Tanzbar muss es sein! Einen guten Einblick in die Vielfalt des Kizomba liefert der neue Sampler Afrolove: Kizomba: Special.


Tiken Jah Fakoly: Dernier Appel
110 Tracks. CD und LP
Wrasse Records
2014


Octopizzo: Cocolate City
17 Tracks. CD (LP geplant)
out here rec
2014


Blitz the Ambassador: Afropolitan Dreams
1CD und LP
Jakarta Records
2014


Afrolove: Kizomba: Special
2 CDs. Total 34 Tracks
Lusafrica Records
2014




Pius Frey

Comedia Buchhandlung St.Gallen
www.comedia-sg.ch
10.2014




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