Grosse Musik aus West- und Südafrika

Francis Bebey, der aus Kamerun stammende Schriftsteller und Musiker, ist auch hier vielen ein Begriff. Als afrikanische Musik und afrikanische Literatur noch kaum wahrgenommen wurden tourte Bebey in Europa und es kamen verschiedene, beachtete Romane auch in deutscher Übersetzung raus; wie auch auf dem Münchner Label Trikont 1984 die Platte African Moonlight – African Music with the Sanza. Sanza ist ein wichtiges Stichwort zu dem 2001 in Paris verstorbenen Künstler. Sanza, auch Fingerklavier, Lamellophone, Daumenklavier, Kalimba, Mbira, Likembe genannt, brachte Bebey wunderbar zum Tönen und machte dieses urafrikanische, panafrikanische Instrument weltbekannt. Sanza, diese kleine Holzkiste mit ihren Metall-Lamellen ist ein Wunderwerk. Damit machte Francis Bebey grosse Musik. Lyrisch, psychedelisch, den Geist afrikanischer Kultur und Geschichte verströmend. 1967 erschien Bebey’s erster Roman; 1968 seine erste Platte. Beide waren von grosser Bedeutung mit Einfluss und Wirkung. Doch der humorvolle Francis Bebey ging oft gegenüber afrikanischen Popstars ein wenig unter. Er war kein Mensch der grossen, lauten Worte. Heute ist uns aber bewusst was für ein grosses Werk dieser Mensch geschaffen hat. Da kommen zwei Kompilationen gerade richtig. Sie stellen das musikalische, aber auch lyrische Werk von Francis Bebey aufs Beste vor. Seine damals mit neuer Technik tüchtig aufgepeppte Musik und seine feinen Lieder, voller Anreiz zum Denken und hintergründiger Kritik, haben nichts an Aktualität und Spannung verloren. Psychedelic Sanza 1982 – 1984 und African Electronic Music 1975 – 1982 sind feine Platten mit magischer Musik. Im Büchlein dazu findet sich auch ein kurzer, lesenswerter Text von Francis Bebey’s Sohn Patrick Bebey. Er schreibt unter anderem „Wenn man eine Senza spielt, betritt man eine Welt, die einem auf heitere und hypnotisierende Art bezaubert“.

 


Eine andere Art Musik, aber auch von eindringlicher Art, kommt aus dem Südafrika der Jahre 1966 – 1984. Spirit of Malombo – Malombo Jazz Makers, Jabula and Jazz Afrika 1966 – 1984 stellt widerständigen, rauen, perkussivbetonten (Malombo!) südafrikanischen Jazz vor. In Europa hatten besonders Philip Tabane and Malombo und Jabula ihre Spuren hinterlassen. Auf der nun vorliegenden Zusammenstellung ist aber nicht Gitarrist Tabane zu hören, sondern andere Meister eines typisch südafrikanischen Elektro-Gitarren-Stils. Leader und Anheizer ist Julian Bahula mit seinen intensiven Malombo-Drums. Dazu spielt meist Gitarrist Lucky Ranku und weitere grosse südfarikanische MusikerInnen. So auch Hilda Tloubatla von den legendären Mahotella Queens. Auf den zwei vorliegenden CDs ist eine eigentliche Entwicklung erkennbar. Aus sehr rauen, militanten Klängen entstand immer mehr, besonders dann mit Jabula, mächtiger südafrikanischer Jazz mit verschiedenen Blasinstrumenten, Keyboard, aber immer sehr perkussionsbetont. Viele Namen der zu hörenden Musiker sind auch hier bekannt. Die meisten traten in der einen oder andern Formation hier auf und lebten wohl oder übel im europäischen Exil. Was man bei Spirit of Malombo immer wieder spürt ist die musikalische Radikalität gegen Apartheid und Rassismus. Besonders bei Jabula. Durch Ansagen, Erklärungen, Wortbeiträge oder einfach durch die Musik. Jabula beeinflussten mit ihrem Sound und ihrem Engagement einige europäische Bands, welche sich mit ihrer Musik gegen die Apartheid stellten. Ein gutes Beispiel ist der Song Nelson Mandela der britischen Ska-Truppe Special AKA. Spirit of Malombo ist eine liebevoll und mit viel Herzblut zusammengestellte Doppel-CD, welche sich nicht auf Mainstream-Pfaden dreht. Echt und wuchtig! Als Abschluss gibt es noch ein ‚frisches’ Stück von Julian Bahula mit Band aus dem Jahre 2007: Heita Cindi.


Francis Bebey. Psychedelic Sanza 1982 – 1984
Born Bad Records
Als CD und als Doppel-LP


Francis Bebey. African Electronic Music 1975 – 1982
1Born Bad Records
Als CD und als LP


Spirit of Malombo. Malombo Jazz Makers, Jabula and Jazz Afrika 1966 – 1984
Strut Records
Als Doppel-CD und als 3er LP.




Pius Frey

Comedia Buchhandlung St.Gallen
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12.1.2015




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