Frauenstimmen aus dem westlichen Afrika

Eine der ganz grossen Sängerinnen aus dem Volk der Mandé ist Kandia Kouyaté. Die 1959 in Kita, einer historischen Stadt im Südwesten Malis, geborene Kouyaté machte schon früh mit ihrem sehr präsenten Gesang auf sich aufmerksam. Sie ist ein Jelimuso, ein weiblicher Griot und kann wohl als Meistersängerin bezeichnet werden. Schon in den 80er Jahren war sie erfolgreich und trat mit einer grossartigen Band auf. Da spielten Grössen wie der Kora-Künstler Toumani Diabaté oder der Ausnahmegitarrist Bomba Sacko mit seiner zwölfseitigen Gitarre. Es erschienen vielbeachtete Produktionen, so 1999 Kita Kan und 2002 Biriko. Dann wurde es ruhiger. Doch jetzt meldete sich Kandia Kouyaté mit dem grandiosen Album Renascence zurück. Renascence ist eine Platte mit traditioneller Musik. Aber mit neuester Technik produziert. Kouyaté’s eindringlicher, erzählerischer Gesang wird durch Meister des Kora-, Balafon- und Ngumi-Spiels begleitet. Es fehlen auch nicht Gitarre, Bass und präzise eingespielte weibliche Chorgesänge. Die Lied-Texte bewegen sich zwischen klassischen Lobgesängen aus der Mandé-Kultur und aktuellen Themen, sowie Blicke auf die Geschichte Malis. Überraschend ist die Abwechslung und spürbare Dynamik der einzelnen Stücke.
Die Produktion von Renascence begann schon 2011. Durch den Tod des allgegenwärtigen westafrikanischen Musik-Produzenten Ibrahim Sylla kam alles ein wenig ins Stocken. Doch Sylla’s Tochter Binetou Sylla produzierte das vorzügliche Werk zu Ende.


Auch eine grosse weibliche Stimme ist Lura. Die kapverdische Sängerin, die schon einige Alben auf den Markt brachte, ist geprägt von der Funana-Musik-Tradition. Doch sie verbindet diese melancholische Musik mit modernen Einflüssen aus verschiedenen Kulturen. Diese reichen bis nach Ostafrika und selbstverständlich Brasilien. So spielt auf ihrer neuen CD Herança der brasilianische Superstar Nana Vasconcelos auf, oder der Welt- und Jazz-Musiker Richard Bona. Auf dem Stück Nhu Santiagu gibt Elida Almeida als Songschreiberin und Sängerin ihren Einstand.
Herança ist ein Album mit feiner, perfekt eingespielter Musik. Manchmal mit einem jazzigen Hauch angereichert. Jedes Stück hat seinen eigenen Charakter. Nach beschaulicher Ruhe kommt plötzlich Bewegung auf. Eine weitere feine Platte von Lura.


Einen aktuellen, sicher keinen vollständigen Blick auf die Musik der Kapverden gibt der Sampler Ola Cabo Verde. Darauf ist Lura im Duett mit Cesaria Evora zu hören.




Kandia Kouyaté. Renascence.
10 Tracks. CD. Syllart Records/Sterns Africa


Lura. Herança.
14 Tracks. CD. Lusafrica


Ola Cabo Verde.
Sampler. 18 Tracks. Lusafrica









Pius Frey

Comedia Buchhandlung St.Gallen
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01.2016




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