Ostafrikanische Küsten- und Inselmusik und die Musik einer engagierten, zeitgenössischen Sängerin aus Westafrika

Seit Jahrzehnten macht sich der Forscher, Sammler und Produzent Werner Graebner um die Musik Ostafrikas verdient. Vor allem um die Küsten- und Inselmusik, besonders auch die Musik Sansibars, bekannt unter dem Namen Taarab. Taarab, diese wundervolle Mischung zwischen afrikanischem Gitarrensound, Geigenklängen, arabischen und indischen Elementen, sowie Akkordeon-Musik der Seeleute, ist Musik wie sie nur unter jahrhundertalten Einflüssen verschiedenster Kulturen entstehen konnte. Noch heute wird auf Sansibar in eigentlichen Musiklokalen Taarab gepflegt. Darum ist der Zusatz Musical Club bei allen Bands, besser gesagt Orchestern mit einer langen Geschichte, anzutreffen. Seit 2004 ist Graebner Herausgeber der empfehlenswerten und mit viel Liebe zusammengestellten Reihe Zanzibara beim französischen Label Buda Musique. Jede CD widmet sich einer bestimmten Szene, Sängerin oder Sänger, einem Musical Club oder einer wegweisenden Band. So ist die Diva der Zanzibari Musik Bi Kidude genau so vertreten wie Rajab Suleiman & Kithara, das über hundertjährige Taarab-Orchester Ikhwani Safaa Musical Club, aber auch besondere Küstenmusik aus Dar es Salaam oder Mombasa. Oft mitreissende Musik mit einigen Sängerinnen und einer grossen Anzahl Instrumente. Die Reihe Zanzibara spürt die ganze Vielfalt populärer Swahili-Musik auf. Die gerade erschienene Kompilation Zanzibara 9 stellt uns Mbaraka Mwinshehe mit seinem Orchestre Super Volcano vor. Auf ‚Masika’ ist pulsierende und frische Musik aus dem Tansania der 70er Jahre zu hören. Hier gibt es starke Bläsersätze und virtuoses Gitarrenspiel verbunden mit unverkennbaren, mehrstimmigen Gesängen. Ein wahres, zauberhaftes Gemisch. Immer wieder dringt der besonders im Kongo stark vertretene Rumba-Rhythmus durch. Handfeste, vielfältige und überraschende Musik.


Einen völlig anderen Musikstil pflegt die heute aktive und engagierte Sängerin Rokia Traoré aus Mali. Hier treffen europäische und afro-amerikanische Einflüsse auf westafrikanische Griot-Tradition. ‚Né So’ heisst das neue Werk von Rokia Traoré. Darauf gibt es auch Lyrik der afro-amerikanischen Schriftstellerin Toni Morrison zu hören und kämpferische Texte zu einer neuen Generation afrikanischer Frauen. Musikalisch dabei ist auch Led Zeppelin Mitbegründer John Paul Jones mit einer Mandoline. Nicht zu überhören eine Version des in die Knochen fahrenden politischen Songs ‚Strange Fruit’ der grossen Jazz-Sängerin Billie Holiday. Der abschliessende Song ‚Né So’ ist ein eindrücklicher Text zu Flucht, Migration und Gewalt. Rokia Traoré ist eine immer wieder überraschende, mitreissende Stimme des heutigen Afrikas.


Zanzibar 9
Mbaraka Mwinshehe & Orchestra Super Volcano: Masika. 1972 -1974.
13 Tracks. Buda Musique; 2015.


Rokia Traoré
Né So
Produced by John Parish
11 Tracks. Nonesuch Records; 2016





Pius Frey

Comedia Buchhandlung St.Gallen
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04.2016




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