Neue Musik aus dem südlichen und westlichen Afrika

Allgemein ist ja die lusafrikanische Musik melancholisch, ergreifend. Auch die Musik aus Angola. Ein wichtiger angolanischer Musikstil ist Semba; eine moderne, sehr tanzbare Weiterentwicklung ist als Kizomba bekannt. Einer der Semba seit Jahrzehnten pflegt, aber sich auch immer wieder mit anderen Stilen beschäftigt, ist der grosse angolanische Musiker Bonga Kwenda (Barcelo de Carvalho) geboren 1942 in Luanda. Bonga ist und war nicht nur Künstler sondern auch politischer Aktivist, Fussballer bei Benfica und unermüdlicher Kämpfer gegen den Kolonialismus. Was dazu führte, dass er das Kolonialreich verlassen musste und sich 1972 in Paris niederliess. So war Bonga einer der ersten afrikanischen Musiker welcher in Europa aktiv war, Liveauftritte gab und mit verschiedensten (Welt-) Musikerinnen und -Musikern zusammenarbeitete. Dazu sind seine Arbeiten mit brasilianischen Musikern nicht zu übersehen. Eine Auseinandersetzung mit dem historischen musikalischen und kulturellem Wechselspiel zwischen Angola und Brasilien. Beginnend durch koloniale Untaten wie Verschleppung und Sklaverei. Darauf fusst übrigens auch Capoeira. Eine ursprünglich in Angola entstandene Kampfsport- und Musikart welche bis heute in Brasilien und anderswo grosse Aktualität hat. Bonga’s Beitrag zur angolanischen Musik ist gross und sein Werk dementsprechend auch. Nun liegt eine neue Platte vor. Recados de Fora ist ein gekonnter Streifzug durch die lusafrikanische Musik. Also auch hörbare Töne aus den Kapverden, Sao Tomé oder Guinea Bissau. Bonga’s unverwechselbare Stimme, sein Engagement und seine Menschlichkeit sind immer noch voll da. Bester Semba. Zeitlose Musik.


Von einer anderen so zu sagen musikalischen Institution gibt es auch eine neue Scheibe. Le Tout-Puissant Orchestre Poly-Rythmo de Cotonou, Benin's legendärer Big Band, seit den 70er Jahren unterwegs kommt Madjafalao. Frisch, Tanzbar und immer mit einer Portion Voodoo-Rhythmus. Afrobeat, Jazz, Rumba, Soukous und afrokubanische Einflüsse geben den Ton an. Trotz Tod ihres charismatischen Bandleaders Mélomé Clément überstand das Orchester alle Stürme und Lead-Sänger Vincent Ahéhéhinnou, auch ein Urgestein, treibt nun die Band in neue Höhen. Spannungsvoll treibende Gesänge, starke Bläser, giftige Gitarren und Orgeln erzeugen diesen unverkennbaren Rhythmus. Fantastische Live-Musik.

Bonga
Recados de Fora
11 Tracks. CD. Lusafrica; 2016


Le Tout-Puissant Orchestre Poly-Rythmo de Cotonou
Madjafalao
LP 8 Tracks. CD 10 Tracks. Because Music; 2016


www.polyrythmo.com/



Pius Frey

Comedia Buchhandlung St.Gallen
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01.2017




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